Jouschus gehen fremd
Inside NZZ-Newsroom
Mar 7, 2026
Lesezeit
3 Min.

Von

Hannah Jauch
Von Anfang März bis Ende Mai 2026 verbringen die Jouschus drei Monate in einer fremden Redaktion. Jede Woche berichtet eine oder einer von ihnen von den Erfahrungen aus dem Praktikum.
Die Sonne scheint, als ich am Montagmorgen in Zürich Stadelhofen aussteige. In wenigen Minuten werde ich meine Stelle im Newsroom der NZZ antreten. Anders als noch am Abend zuvor bin ich erstaunlich ruhig. DieTraditionszeitung der Schweiz hat mich ausgewählt, ein ganz kleines Rädchen im grossen Uhrwerk zu sein, das bereits seit 1780 tickt. Auch wenn es nur für ein dreimonatiges Volontariat ist. «Wenigstens kann dann nicht zu viel von mir erwartet werden», denke ich, als ich das denkmalgeschützte Gebäude an der Falkenstrasse 11 betrete.
Nicht einmal eine Woche später fühle ich mich wie ausgewechselt. Ich stolpere noch immer recht eingeschüchtert in den Newsroom zu Beginn meiner Schichten. Nach nur einer Woche bin ich bereits erschöpft. Beobachtet habe ich aber scharf.
Die NZZ ist eine Perfektionistin mit traditionellen Werten. Einerseits in ihrer politischen Positionierung, noch stärker jedoch in den Ansprüchen an sich selbst. Die Zürizytig will die News nicht nur als Erste haben – sie will zugleich auch die klügsten, tiefgründigsten und längsten Texte liefern. Sie will alles. Und sie hat alles. Denn sie macht alles.
Wäre die NZZ eine Person, dann wohl Margaret Thatcher. Über die Politik der konservativen Premierministerin schieden sich die Geister. Doch kaum jemand bestreitet, dass die «Eiserne Lady» eine Pionierin war, die das Vereinigte Königreich diszipliniert und mit grossem Durchsetzungswillen regierte.



Doch ich will mit dem Newsroom auch nicht zu hart ins Gericht gehen. Hinter meinen Worten steckt viel Bewunderung. Der Krieg im Iran prägte den Newsroom in diesen ersten Tagen. Hinter den streng getakteten Zeitplänen und den kurz angebundenen «Stehungen» – gesessen wird nicht – steht eine Aufgabe, die die NZZ mit Bravour erfüllt: Koordination und Kuratierung. Keine Überlappungen. Das Wichtigste präzise und zum richtigen Zeitpunkt an die Leserinnen und Leser zu bringen – ohne auch nur einen Moment vom eigenen Qualitätsanspruch abzuweichen.
Auch wenn ich noch lange nicht angekommen bin, bin ich inzwischen nicht mehr nur Beobachterin im Newsroom. In meiner ersten Woche habe ich verschiedene Schichten und ihre Aufgaben kennengelernt, diverse Tools ausprobiert und mich in dem fünfstöckigen Gebäude kein einziges Mal verlaufen – was ich als grösseren Erfolg verbuche, als es vielleicht klingt. Ich habe Meldungen verfasst, den Live-Ticker betreut und die ständig hereinprasselnden Agenturmeldungen im Blick behalten. Gleichzeitig habe ich versucht, die Nachrichten aus 39 Slack-Channels zu lesen.
Einen kürzeren Text durfte ich bereits zur Panoramaseite beitragen, ein zweiter steht auch schon. Beide Texte musste ich in wenigen Stunden zu Papier (oder in diesem Fall, zu Monitor) bringen. Für einen Artikel, der um 15 Uhr fertig sein musste, hatte ich um 10 Uhr desselben Tages kaum mehr als eine Idee. Der Druck, mitzuhalten und nicht zu enttäuschen, ist gross.
Doch meinen Namen am Donnerstag zum ersten Mal auf der Seite zu lesen, über der in schwarzen Buchstaben NZZ steht, löste ein unerwartetes Gefühl von Stolz aus, das mich an meinen allerersten gedruckten Artikel im «Oltner Tagblatt» erinnerte – dort, wo meine Reise in den Journalismus vor drei Jahren begann.






