Schulwoche 8
Wie man Zeit misst und Geschichten erzählt
Jun 5, 2026
Lesezeit
4 Min

Von

Hannah Jauch
Nachdem wir «Jouschus» uns über vier Monate nicht gesehen haben, war unsere Freunde gross, wieder gemeinsam in Zofingen zu sein. Am Montag lernten wir von Peter, was einen guten Kommentar ausmacht. So gelingt er:
Ein Kommentar sollte nicht neutral sein, sondern Haltung zeigen. Gleichzeitig zeigt sich die Fairness eines guten Kommentars durch die intellektuelle Redlichkeit. Die These soll früh erkennbar sein und jedes Argument soll sich auf die These beziehen. Die Sprache muss klar, direkt und entschlossen sein. Und idealerweise funktioniert der Kommentar als ein Beitrag in einer Debatte: Widerspruch ist erwünscht.
Am Dienstag besuchten uns Johanna Walser, die Corporate Kommunikationschefin von Ringier. Gemeinsam mit ihr und Daniel Riedel sprachen wir darüber, wieso es zwischen den verwandten Berufsgruppen der Kommunikatoren und Medienstellen und uns Journalistinnen so oft hapert.
Catching up with the crew
Am Nachmittag folgte ein Highlight: Per Kurzvortrag stellten wir unseren Kolleginnen und Kollegen vor, wo wir unsere dreimonatigen Rotationen verbrachten. Hier nochmal der Schnelldurchlauf:

Während Céline sich bei die Zeit intensiv mit Milbenkäse befasste, schrieb Jovana eine unfreiwillig lustige Geschichte über gestohlenen Brokkoli für der Bund. Florin lernte bei Fritz + Fränzi das ruhige, intensive Schreiben lieben und Anna Clara arbeitete trimedial an einem Beitrag über Energydrinks für SRF Investigativ. Als Energy Bern-Reporter tradete sich Joel in einem sozialen Experiment hoch und Maria entdeckte im Ressort Zürich der NZZ eine Liebe für lokalen Journalismus, der nah bei den Menschen ist. Deborah arbeitete beim Entlebucher Anzeiger stark analog und Chiara war für die Schaffhauser Nachrichten im Format «Hüt im Gschpröch» als Moderatorin zu sehen. Samanta verliess sich bei Blick Social ihre Komfortzone und Moritz und Björn waren bei Blue Sport zum ersten Mal Tagesleiter. Riccarda schrieb für den Stern eine Kolumne aus Schweizerinnen-Sicht, während Jeremy für Energy Basel auf Rehkitz-Repo war.



Omega und die Zeit
Am Mittwoch wurden wir bei Omega in Biel von CEO Raynald Aeschlimann empfangen. Er erzählte von der Geschichte des Unternehmens: 1848 gründete Louis Brandt in seiner Heimatstadt La Chaux-de-Fonds im Hochjura einen Uhrenbetrieb. Später zog die Firma unter dem Anreiz einer temporären Steuerfreiheit nach Biel. Der Name Omega erschien erstmals 1894, als unter dem Firmennamen «Louis Brandt & Frère» eine Präzisionsuhr mit der Bezeichnung «Omega» auf den Markt kam.
Bis heute befindet sich der Hauptsitz der Marke in Biel. Alle Omega-Uhren werden hier gefertigt und montiert. Im markanten Bau aus Fichtenholz, der vom japanischen Stararchitekten Shigeru Ban entworfen wurde. Rund 2'000 Uhren werden hier täglich von rund 300 Mitarbeitenden gefertigt.
Im obersten Stockwerk fertigen ausgebildete Uhrmacherinnen und Uhrmacher zudem nicht lizenzierte Einzelstücke und Spezialanfertigungen für besondere Aufträge.
Nach dem Rundgang durch die Fabrik, die sterilen Montagebereiche durften wir nur durch Glasfenster von aussen betrachten, besuchten wir das Museum. Dort erfuhren wir, dass von den allerersten Modellen heute keine Aufzeichnungen mehr existieren. Insgesamt schätzt man die Zahl der verschiedenen Omega-Modelle auf rund 2200. Darunter beispielsweise eine Art Klappuhr aus den 1950er-Jahren, die es Damen ermöglicht haben soll, diskret auf die Uhrzeit zu schauen, ohne dabei als unhöflich zu gelten.
Omega spielt auch mit der Geschichte der Zeitmessung. Clever beansprucht das Unternehmen so die Zeit als Harz der Weltgeschichte als Teil der eigenen Errungenschaft.
Restaurant-Testerinnen und kreativ Schreiber
Auch wir nahmen uns an diesem Tag Zeit: nämlich für einen Besuch bei Kübban, einem Kebap-Laden, der angeblich zu den besten der Schweiz gehört. Das Klassenurteil fiel positiv aus: durchschnittlich 8,7 von 10 Punkten.

Am Donnerstag trafen wir uns wieder in Zofingen. Dort leitete der Journalist und Autor Sacha Batthyany einen Workshop zum kreativen Schreiben. Am Nachmittag interviewten wir uns gegenseitig und lernten dabei einmal die Perspektive der anderen Seite kennen. Den Freitag verbrachten wir schliesslich zu Hause und arbeiteten an den Schreibaufgaben weiter.
So endete eine abwechslungsreiche Woche zwischen Schweizer Uhrmacherkunst, Geschichten über Zeit und dem Versuch, selbst kreative Geschichten zu erzählen.





