Jouschus gehen fremd
Wenn Radio plötzlich mehr ist als nur Musik
May 15, 2026
Lesezeit
4 Min.

Von

Joël Hahn
Von Anfang März bis Ende Mai 2026 verbringen die Jouschus drei Monate in einer fremden Redaktion. Jede Woche berichtet eine oder einer von ihnen von den Erfahrungen aus dem Praktikum.
Als ich meine Rotation bei Radio Energy begonnen habe, wusste ich ehrlich gesagt nicht genau, was mich erwartet. Radio kannte ich vor allem als Zuhörer: Musik, Moderation, vielleicht noch kurze Nachrichten – fertig.
Schon nach den ersten Tagen war klar: Das war eine ziemlich naive Vorstellung.
Die Rotation begann mit einer Einführung in Zürich, danach verbrachte ich den grössten Teil der Zeit in Bern – im Studio an der Lorrainebrücke. Ein Arbeitsplatz mit Blick auf eine der schönsten Städte der Schweiz und vor allem: ein Team, das mich sofort aufgenommen hat und ich wirklich behaupten kann, dass ich noch nie in so einem grossartigen Team gearbeitet habe. Von Anfang an durfte ich mitarbeiten, Ideen einbringen und Dinge ausprobieren.
Und plötzlich stand ich mittendrin im Radiobetrieb.
Zwischen Studio, Strasse und Events
Radio Energy lebt von Abwechslung und genau das habe ich in den letzten Wochen erlebt.
Mal war ich als Reporter unterwegs, etwa bei Zusammenkünften und Trainings der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft vor der Heim-WM. Ein anderes Mal stand ich an der BEA beim Karaoke-Stand und machte von dort aus Reportagen mit spontanen Challenges.
Besonders eindrücklich war auch die Energy Star Night in Basel. Ich durfte Künstlerinnen und Künstler interviewen, Backstage miterleben, wie ein Event dieser Grössenordnung organisiert wird und sehen, wie viel Planung hinter einer Show steckt, die für das Publikum am Ende ganz selbstverständlich wirkt.
Auch im Studio selbst bekam ich schnell Verantwortung. Als Producer für die «Downtown»-Sendung am Nachmittag war ich mitverantwortlich für die Inhalte der Show: gemeinsam mit dem Moderator Ideen entwickeln, Beiträge vorbereiten, Töne zusammensuchen und Abläufe planen. Dazu kamen Strassenumfragen, Scherzanrufe, Recherchen zu kleinen Scams oder das Einsprechen von sogenannten BITs – kurzen Radiobeiträgen.
Und natürlich: schneiden, schneiden, schneiden. Auch technisch habe ich in dieser Zeit enorm viel gelernt.


Ein anderes Tempo
Am Anfang hatte ich durchaus Respekt vor der Rotation. Beim Blick arbeite ich im Sport – hier ging es plötzlich um ganz andere Themen.
Doch schon am zweiten Tag sass ich im Studio bei einer Sendung von Sascha Wanner. Nach wenigen Minuten war ich komplett fasziniert. Mir wurde klar, wie wenig ich eigentlich darüber wusste, wie Radio wirklich funktioniert.
Radio – zumindest bei Energy – ist viel mehr als Information. Es ist Unterhaltung, ein bisschen auch ein «Happy Place». Die Leute hören uns auf dem Weg zur Arbeit, im Auto oder zu Hause und wir versuchen, ihnen dabei einen guten Tag zu bescheren.
Gleichzeitig ist das Medium erstaunlich anspruchsvoll. Wenn ein Ton nicht sauber ist oder ein Beitrag nicht richtig aufgebaut ist, funktioniert das Ganze plötzlich nicht mehr. Und jede Sendung beginnt jeden Tag wieder bei null. Neue Ideen, neue Inputs, neue Geschichten.
Diesen Rhythmus zu erleben, war intensiv – aber auch unglaublich lehrreich.
Ein Blick über den eigenen Tellerrand
Neben der Radioarbeit durfte ich während der Rotation auch noch einmal kurz in meine gewohnte Welt eintauchen: Bei der Ski-Schweizermeisterschaft konnte ich für Blick ein Rennen live kommentieren.
Gerade dieser Mix hat mir gezeigt, wie viele unterschiedliche Rollen Journalismus haben kann. Schreiben, recherchieren, moderieren, erzählen – jedes Medium setzt andere Schwerpunkte.
Für mich war diese Rotation vor allem eines: ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Ich habe neue Arbeitsweisen kennengelernt, viel über Radio gelernt und gemerkt, wie spannend die moderierende Rolle im Journalismus sein kann.
Und vielleicht war das sogar die grösste Erkenntnis dieser drei Monate: Manchmal reicht schon ein Platz im Radiostudio – und plötzlich eröffnet sich eine ganz neue journalistische Welt.





