Jouschus gehen frermd
Schneller als der Rheinfall: Mein Alltag bei den Schaffhauser Nachrichten
Apr 17, 2026
Lesezeit
3 Min

Von

Chiara Schmed
Von Anfang März bis Ende Mai 2026 verbringen die Jouschus drei Monate in einer fremden Redaktion. Jede Woche berichtet eine oder einer von ihnen von den Erfahrungen aus dem Praktikum.
Meine Woche begann mit einem Spitalbesuch. Das klingt dramatischer, als es war - keine Sorge, mir geht es gut. Für die Schaffhauser Nachrichten durfte ich den Leiter des Rettungsdienstes der Spitäler Schaffhausen befragen. In meinem Bericht ging es darum, wie man sich in einer Notfallsituation richtig verhält.
Das Schöne am Journalismus ist für mich, dass ich täglich Neues dazulerne. Mein Nothelferkurs liegt über sieben Jahre zurück – dank des Spitalbesuchs wüsste ich jetzt, wie man eine Herzdruckmassage durchführt. Vor dieser Woche wäre jemand mit einem Herzkreislaufstillstand vor meinen Augen wohl verloren gewesen.
Mitgerissen vom Nachrichtenfluss
Dieser Artikel ist einer von vielen, die ich während meiner Rotation in Schaffhausen geschrieben habe. Die Texte entstehen hier fast so schnell, wie das Wasser den Rheinfall hinunterfliesst. Zum ersten Mal nach fünf Jahren im Journalismus habe ich den Sprung zu einer Tageszeitung gewagt. Bei den Schaffhauser Nachrichten geht es ganz anders zu und her als bei meiner Stammredaktion, der Glücks Post: Die Deadlines sind kürzer, die Themengebiete breiter und der Arbeitsalltag deutlich hektischer.
Im Medienhaus der «Meier + Cie AG», zu der die Schaffhauser Nachrichten gehören, entstehen Zeitung, Radio, Fernsehen und Onlinejournalismus unter einem Dach. Diese Vielfalt ist im Alltag spürbar: Themen werden schnell aufgenommen, weitergedacht und auf verschiedenen Kanälen umgesetzt. Ich wurde von Anfang an herzlich empfangen und direkt ins Team integriert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfinde ich alle - trotz ihres speziellen Schaffhauser Dialekts – als ausgesprochen sympathisch und hilfsbereit.


Einzelbüro als Luxusgut
Mein persönliches Highlight sind dennoch die Einzelbüros. In Ruhe und ohne Hintergrundgespräche arbeiten zu können, ist für mich ein echter Segen. Gerade in einem so schnellen Arbeitsumfeld schätze ich diese Rückzugsmöglichkeit sehr.
Denn diese Ruhe brauche ich. Von den Wochenzeitungen bin ich es gewohnt, Artikel in aller Gelassenheit zu schreiben und mir Zeit für einen treffenden Titel zu nehmen. Im Tagesjournalismus funktioniert das anders. Nach der morgendlichen Redaktionssitzung besuche ich einen Termin oder führe ein Interview. Oft weiss ich am Morgen noch nicht genau, worüber ich an diesem Tag schreiben werde – auch das ist Neuland für mich.
Schneller schreiben, weniger zweifeln
Anfangs hatte ich Mühe mit diesem schnellen Workflow. Der Zeitdruck war ungewohnt, und ich musste lernen, schneller Entscheidungen zu treffen – auch beim Schreiben. Mittlerweile, nach eineinhalb Monaten, habe ich mich daran gewöhnt. Ich arbeite effizienter und vertraue mehr auf mein Gefühl. Besonders spannend war für mich auch, dass ich zum ersten Mal einen Geschäftsbericht gelesen und einen Artikel darüber geschrieben habe – eine Aufgabe, an die ich mich zuvor wohl kaum herangewagt hätte.
Der Tagesjournalismus ist für mich eine intensive und lehrreiche Erfahrung, aus der ich viele wertvolle Lektionen mitnehme. Trotzdem freue ich mich darauf, bald wieder zur Glücks Post zurückzukehren – wo es ein wenig gemächlicher zu und her geht und das vertraute «Züri-Dütsch» gesprochen wird.
Mein Einzelbüro in Schaffhausen werde ich allerdings mit einem weinenden Auge zurücklassen.





