Jouschus gehen fremd
Scheinwerfer und Recherche: Meine Woche bei SRF Investigativ
Mar 14, 2026
Lesezeit
3 Min.

Von

Anna Clara Kohler
Von Anfang März bis Ende Mai 2026 verbringen die Jouschus drei Monate in einer fremden Redaktion. Jede Woche berichtet eine oder einer von ihnen von den Erfahrungen aus dem Praktikum.
Im Leutschenbach blitzen Sonnenstrahlen der Erleichterung durch das Dickicht der letzten Monate. Es ist Montag, Beginn meiner zweiten Woche bei SRF Investigativ – und meteorologisch wie metaphorisch scheint die Sonne. Der Sonntag verlief für die SRG erfolgreich, die Schweizer Stimmbevölkerung entschied sich gegen die Volksinitiative «200 Franken sind genug! (SRG-Initiative)». 61,95 Prozent der Stimmen setzten mit dem Resultat ein deutliches Zeichen: Wir wollen die SRG nicht halbieren.
Entsprechend gelöst war die Stimmung, als ich das Grossraumbüro des Investigativ-Teams am SRG-Standort Zürich Leutschenbach betrat. Neben der einstündigen Wochensitzung, die jeden Montagmorgen stattfindet, gab es zwei Informationsanlässe zu den Abstimmungsresultaten. Dazwischen recherchierte ich an einer eigenen Idee, und mittags genossen wir die milden Temperaturen im Mediengarten.
So interessant der Montag auch war, möchte ich meine Woche nicht chronologisch erzählen. Denn die Arbeitstage der Investigativjournalisten folgen keiner starren Struktur. Abgesehen von der Wochensitzung ist das Team selten vollzählig beisammen, die Recherche führt oft an verschiedene Orte. Die Arbeit erfordert viel Flexibilität: Die Journalistinnen und Journalisten aus dem Team recherchieren nicht nur, sondern produzieren ihre Artikel, YouTube-Videos und Radiobeiträge selbst. Das heisst: Recherchieren, Personen treffen, Fährten nachgehen, Schreiben, Filmen, Moderieren, Storyboard erstellen und vieles mehr gehört zum Schaffen dazu.
Wie ein Kind im Spielwarenladen
Ich komme also gleich zum Punkt und präsentiere meine drei Highlights der Woche:
Mein SRF-Götti, langweilig ausgedrückt meine direkte Ansprechperson, führte mich am Mittwoch nach dem Mittagessen durch das Gelände. Der Standort Leutschenbach ist riesig: Er besteht aus mehreren Gebäuden, dem bereits erwähnten Mediengarten, Werkstätten, Lagerräumen, einer Tiefgarage sowie dem Kult-Turm mit dem SRF-Logo. Ich fühlte mich wie ein Kind im Spielwarenladen, als wir uns durch die Gänge, eine Mischung aus Alt- und Neubau, schlängelten.
Der mehrstöckige Newsroom ist das moderne Herzstück des Geländes. Hier entsteht also das Schweizer Fernsehen, dachte ich mir. In der Mitte des Raumes steht ein Rednerpult, an dem die Mittagsausgabe von Tagesschau kompakt aufgenommen wird. Auch das Requisitenlager beeindruckte mich: Von Stühlen, einem Haikopf, diversen Lampen, Jukeboxen, alten Telefonen bis hin zu Plastikpflanzen findet man hier alles, was das Herz begehrt. Doch auf einen bestimmten Raum freute ich mich besonders: Durch eine unscheinbare Tür gelangten wir in eine grosse Halle. An der Decke hängen Hunderte, wenn nicht Tausende Scheinwerfer und andere Lichter, alle nummeriert. Hohe Holzkonstruktionen liessen erahnen, worum es sich hier handelt: Die Backdrops der SRF-Sendungen. Innert weniger Minuten war ich bei der Sternstunde Philosophie, dem Kassensturz, dem Club und – mein Favorit – der Arena.


Feedback vom Y-Kollektiv-Gründer
Mein zweites Highlight: Der Teamtag am Dienstag. Wie der Name schon verrät, kommt das gesamte Team an diesem Tag zusammen und bespricht – nun, wie sage ich das, ohne aus dem Nähkästchen zu plaudern – Dinge. Teil dieses Programms war eine Feedbackrunde mit Dennis Winter zu den YouTube-Videos von Impact Investigativ. Er ist unter anderem Gründer des Y-Kollektivs von ARD und arbeitet aktuell bei SRF. Obwohl ich weder an der Produktion der Videos mitgearbeitet noch lange Teil des Teams war, konnte ich von den Tipps des erfahrenen Formate-Entwicklers profitieren.
Recherchieren ist ein endloser Prozess
Mein letztes Highlight zog sich durch die ganze Woche: Das Ausreifen meiner eigenen Idee. Bevor eine Investigativgeschichte umgesetzt wird, muss sie sehr hohen Anforderungen gerecht werden. Ein zentraler Aspekt ist deshalb das «Anrecherchieren» noch vor dem eigentlichen Pitch.
Dabei stiess ich jedoch schnell auf ein Problem: Nach zwei oder drei Tagen wusste ich schlicht nicht mehr, was es noch zu recherchieren gäbe! Alle mir aus dem Tagesjournalismus bekannten Werkzeuge hatte ich bereits eingesetzt. Bin ich also die weltschnellste Investigativjournalistin? Von wegen. Nach Feedbackrunden, Gesprächen mit meinem Götti und, gegen Ende der Woche, dem Pitch-Meeting wurde mir klar: Recherchieren ist ein endloser Prozess, wenn man erstens dranbleibt und zweitens weiss, wo man graben kann, soll – oder muss.





